Produktiv, prekär, marginal, mittendrin?!

Polycity: Kritische Lagebesprechung zu Bildern und Debatten der Migration aus den Positionen Kunst, Aktivismus und Wissenschaft (von Natalie Bayer)

Produktiv, prekär, marginal, mittendrin?!
Migration im zeitgenössischen Arbeitsdiskurs

In Kooperation mit der Initiative für Zivilcourage

Termin: Dienstag, 19.02.13, 19.00 Uhr
Ort: Galerie Kullukcu, Schillerstr. 23/3. Stock, München

„Sozialschmarotzer“ und „Hochqualifizierte“, „ausgebeutete Arbeitssklavinnen“ und „betrügerische „Kleinunternehmer“ – in den medialen und politischen Debatten werden Migrantinnen und Migranten in erster Linie als Arbeitskraft und somit aufgrund ihrer Produktivität und Ökonomisierbarkeit bewertet. Dennoch ist Arbeit nicht gleich Arbeit: Es sind die „Normalarbeitsverhältnisse“ – from 9 to 5, mit 40 Wochenstunden, ein Leben lang – und verstärkt neoliberale Arbeitsideale – entgrenzt und selbstorganisiert –, die als Standards gelten. Viele andere Formen von Arbeit werden dagegen gesellschaftlich nicht anerkannt: Gerade in Zusammenhang mit der Migration sprechen die Medien gar vom „Arbeitsstrich“ (SZ, 07.1.2012), „Bettel-Mafia“ (TZ, 11.10.2012) und betonen Themen wie Prostitution, Kriminalität und Schwarzarbeit (SZ, 10.02.2013). Mittels solcher populistischen Debatten und aufhetzenden Rhetoriken verfestigt sich das Bild des „unproduktiven Migranten“, der passives Opfer krimineller Bandenstrukturen sei, sich staatliche Sozialleistungen erschleiche und die Mobilitätsmöglichkeiten durch EU-Zugehörigkeit ausnutze; Innenminister Friedrich will daher eine Riege an politischen Maßnahmen forcieren, um Deutschland vor ungewünschten MigrantInnen abzuschotten.
Die migrantische Arbeitskraft wird jedoch gerade dort gebraucht, wo sich der wirtschaftliche Aufschwung nicht in Löhne übersetzt – also in erster Linie im Niedriglohnbereich – und auch dort, wo sich durch gesellschaftlichen Wandel Lücken auftun: Mit der zunehmenden Erwerbstätigkeit von Frauen wird die Haushalts- und Pflegearbeit immer mehr von nicht-deutschen Arbeiterinnen übernommen: Migrantinnen bügeln, putzen und pflegen in deutschen Haushalten – meist männliche Migranten bauen die Bürotürme und Luxusapartments der Global Cities. Die „migrantischen Anderen“ werden dabei nicht dem neoliberalen Ideal der grenzenlosen Kreativität, Produktivität und Hyper-Effektivität zugerechnet, sondern dem vermeintlich nationalen „Wir“ gegenüber gestellt. Die Realität der MigrantInnen, die höchst kreativ, flexibilisiert und aktiv mit prekären und rassistischen Lebensbedingungen umgehen, wird dabei ausgeblendet.

In einer gemeinsamen Diskussion möchten wir den Fragen nachgehen: In welchem Zusammenhang stehen Migration, Arbeit und bürgerschaftliche Rechte? Wie werden diese Themen in Medien, Politik und Gesellschaft verhandelt? Welche Bilder entstehen dabei, und wie wirken sie auf die sozialen Realitäten der Menschen? Welche politischen Konsequenzen ergeben sich? In welcher POLYCITY arbeiten wir eigentlich?

Diskutierende:
• Moderation: Julia Serdarov (Initiative für Zivilcourage)
• Savas Tetik (AWO Infozentrum Migration und Arbeit, ver.di Migrationsausschuss)
• Elif Yankova (Initiative für Zivilcourage)
• Luzenir Caixeta (MAIZ – Autonomes Zentrum von & für Migrantinnen, Linz)
• N.N.

Gefördert durch das Kulturreferat der Landeshauptstadt München